Unser Vater hat Israel nicht verlassen
Hat unser Vater Israel verstoßen? Paulus antwortet mit sich selbst, mit Elias siebentausend und mit einem eingepfropften Ölbaum, der die Gläubigen aus den Heiden vor Selbstgefälligkeit warnt. Die Verstockung ist teilweise und vorübergehend; die Gaben und die Berufung werden nicht zurückgenommen. Er endet in Anbetung, nicht in Erklärung.
11 1So frage ich nun: Hat unser Vater sein Volk verstoßen? Niemals! Auch ich bin ein Israelit, aus dem Geschlecht Abrahams, vom Stamm Benjamin. 2Unser Vater hat sein Volk nicht verstoßen, das er zuvor ersehen hat. Oder wisst ihr nicht, was die Schrift von Elia sagt, wie er vor unserem Vater gegen Israel klagt? 3„Vater, sie haben deine Propheten getötet und deine Altäre niedergerissen; ich allein bin übrig geblieben, und sie trachten mir nach dem Leben.“
4Gottes Antwort: „Ich habe mir siebentausend Männer übrig gelassen, die ihre Knie nicht vor Baal gebeugt haben.“ a a v4 Baal war der oberste Götze der Kanaaniter, der zur Zeit Elias überall in Israel verehrt wurde.
5So gibt es auch in der jetzigen Zeit einen Rest, erwählt aus Gnade. 6Ist es aber aus Gnade, so ist es nicht mehr aus Werken; sonst wäre die Gnade nicht mehr Gnade.
7Wie nun? Israel hat nicht erlangt, was es suchte; die Erwählten aber haben es erlangt, die Übrigen jedoch wurden verstockt. 8Wie geschrieben steht: „Unser Vater gab ihnen einen betäubten Geist, Augen, die nicht sehen, und Ohren, die nicht hören, bis auf den heutigen Tag.“
9Und David sagt: „Ihr Tisch werde ihnen zur Schlinge, zur Falle, zum Anstoß und zur Vergeltung. 10„Ihre Augen sollen verfinstert werden, dass sie nicht sehen, und ihren Rücken beuge für immer.“
11So frage ich nun: Sind sie gestrauchelt, damit sie ganz zu Fall kämen? Das sei ferne! Vielmehr kam durch ihr Versagen den Heiden das Heil, um Israel eifersüchtig zu machen. 12Wenn aber ihre Sünde der Welt Reichtum bringt und ihr Versagen den Heiden Reichtum bringt, wie viel mehr dann ihre volle Zugehörigkeit!
13Euch Heiden aber sage ich: Weil ich Apostel der Heiden bin, ehre ich meinen Dienst, 14in der Hoffnung, dass ich mein eigenes Volk irgendwie eifersüchtig mache und einige von ihnen rette. 15Denn wenn ihre Verwerfung die Versöhnung der Welt ist, was wird ihre Annahme anderes sein als Leben aus den Toten? 16Ist der Erstling heilig, so ist auch der ganze Teig heilig; und ist die Wurzel heilig, so sind es auch die Zweige. 17Wenn aber einige Zweige ausgebrochen wurden und du als wilder Ölzweig unter sie eingepfropft wurdest und Anteil bekamst an der saftigen Wurzel des Ölbaums, 18so rühme dich nicht gegen die Zweige. Rühmst du dich aber, so trägst nicht du die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich. 19Nun sagst du: „Die Zweige wurden ausgebrochen, damit ich eingepfropft würde.“ 20Das ist wahr. Sie wurden ausgebrochen wegen ihres Unglaubens; du aber stehst durch den Glauben. Sei nicht stolz, sondern fürchte dich. 21Denn wenn unser Vater die natürlichen Zweige nicht verschont hat, so wird er auch dich nicht verschonen. 22So sieh nun die Güte und die Strenge unseres Vaters: die Strenge gegen die Gefallenen, die Güte aber gegen dich, sofern du in der Güte bleibst; sonst wirst auch du abgehauen werden. 23Und auch sie werden, wenn sie nicht im Unglauben bleiben, eingepfropft werden; denn unser Vater kann sie wieder einpfropfen. 24Denn wenn du aus einem von Natur wilden Ölbaum herausgeschnitten und gegen die Natur in einen edlen Ölbaum eingepfropft wurdest, wie viel mehr werden dann diese, die natürlichen Zweige, in ihren eigenen Ölbaum eingepfropft werden!
Ganz Israel wird gerettet werden
25Brüder und Schwestern, ich will euch dieses Geheimnis nicht verschweigen, damit ihr euch nicht selbst für klug haltet: Israel ist zum Teil Verstockung widerfahren, bis die volle Zahl der Heiden hereingekommen ist.
26Und so wird ganz Israel gerettet werden, wie geschrieben steht: „Der Retter wird aus Zion kommen und das Böse von Jakob abwenden, b b v26 Der Erlöser, der aus Zion kommt, ist Jesus — der Retter, den unser Vater durch Jesaja verheißen hat und der sein Volk von der Sünde abwendet. 27und dies wird mein Bund mit ihnen sein, wenn ich ihre Sünden wegnehme.“
28Nach dem Evangelium sind sie Feinde um euretwillen; nach der Erwählung aber sind sie Geliebte um der Väter willen. 29Denn die Gaben und die Berufung unseres Vaters sind unwiderruflich. 30Denn wie ihr einst unserem Vater ungehorsam wart, nun aber durch ihren Ungehorsam Erbarmen erfahren habt, 31so sind auch sie jetzt ungehorsam geworden, damit auch sie durch das Erbarmen, das euch widerfahren ist, nun Erbarmen erfahren. 32Denn unser Vater hat alle im Ungehorsam eingeschlossen, damit er sich aller erbarme.
33O welch eine Tiefe des Reichtums und der Weisheit und der Erkenntnis unseres Vaters! Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und wie unerforschlich seine Wege! 34„Denn wer hat den Sinn unseres Vaters erkannt, oder wer ist sein Ratgeber gewesen? 35Oder wer hat ihm etwas gegeben, dass er es ihm vergelten müsste?“ 36Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei die Ehre in Ewigkeit! Amen.