Ein Brief an die Zerstreuten
Praktische Weisheit über das Leben eines echten Glaubens – die Zunge zähmen, sich um die Armen kümmern und Prüfungen geduldig ertragen.
1 1Jakobus, ein Knecht unseres Vaters und des Herrn Jesus Christus, an die zwölf Stämme, die unter den Völkern zerstreut sind: seid gegrüßt. a a v1 Die zwölf Stämme meinen die jüdischen Gläubigen, die in Gemeinden über die nichtjüdische Welt hin zerstreut sind.
2Haltet es für lauter Freude, meine Brüder und Schwestern, wenn ihr in mancherlei Anfechtungen geratet, 3denn ihr wisst, dass die Bewährung eures Glaubens Standhaftigkeit bewirkt. 4Die Standhaftigkeit aber soll ihr Werk vollenden, damit ihr vollkommen und ganz seid und es euch an nichts mangelt.
5Wenn es aber einem unter euch an Weisheit mangelt, so bitte er unseren Vater, der allen gern gibt und niemanden tadelt, und sie wird ihm gegeben werden. 6Er bitte aber im Glauben und zweifle nicht; denn wer zweifelt, gleicht einer Meereswoge, die vom Wind getrieben und hin und her geworfen wird. 7Ein solcher Mensch soll nicht meinen, dass er etwas von unserem Vater empfangen werde. 8Er ist ein zwiespältiger Mensch, unbeständig in allen seinen Wegen.
9Der Gläubige aber, der in niedrigen Verhältnissen lebt, rühme sich seiner hohen Stellung, 10der Reiche aber rühme sich seiner Niedrigkeit, denn er wird vergehen wie eine Blume des Feldes. 11Die Sonne geht auf mit ihrer Glut und versengt das Gras; seine Blume fällt ab, und ihre Schönheit vergeht. So wird auch der Reiche verwelken mitten in seinem Treiben.
12Selig ist, wer die Anfechtung erduldet; denn nachdem er sich bewährt hat, wird er die Krone des Lebens empfangen, die unser Vater denen verheißen hat, die ihn lieben.
13Niemand sage, wenn er versucht wird: „Unser Vater versucht mich.“ Denn das Böse kann unseren Vater nicht versuchen, und er selbst versucht niemanden. b b v13 Jakobus schützt das Wesen unseres Vaters gegen eine Lüge, so alt wie der Garten — dass er der Versucher sei. Unser Vater gibt jede gute Gabe; niemals stellt er seinen Kindern eine Falle. 14Vielmehr wird ein jeder versucht, wenn er von seiner eigenen bösen Begierde fortgezogen und gelockt wird. 15Wenn dann die Begierde empfangen hat, gebiert sie die Sünde; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod. 16Lasst euch nicht irreführen, meine lieben Brüder und Schwestern. 17Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben herab, vom Vater der Lichter, der sich niemals ändert und keinen wechselnden Schatten wirft. c c v17 Jakobus gibt unserem Vater seinen eigenen, unverwechselbaren Titel — der Vater der Lichter, die Quelle jeder guten Gabe, der sich niemals wandelt wie die Sonne und die Sterne, die er gemacht hat. 18Nach seinem Willen hat er uns geboren durch das Wort der Wahrheit, damit wir gleichsam die Erstlingsfrucht seiner Schöpfung seien. d d v18 Die Erstlingsfrucht war der erste und beste Teil der Ernte, der Gott dargebracht wurde; hier sind die Gläubigen das Erste und Beste von allem, was er geschaffen hat.
Hört es, dann lebt es
19Das wisst, meine lieben Brüder und Schwestern: Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn; 20denn menschlicher Zorn bewirkt nicht die Gerechtigkeit unseres Vaters. 21Darum legt ab allen Schmutz und alle Bosheit und nehmt demütig das Wort auf, das in euch gepflanzt ist und eure Seelen retten kann.
22Hört das Wort nicht nur an und betrügt euch damit selbst. Tut, was es sagt. 23Denn wer das Wort nur hört und nicht danach handelt, der gleicht einem Mann, der sein natürliches Angesicht im Spiegel betrachtet; 24und nachdem er sich betrachtet hat, geht er weg und vergisst sogleich, wie er aussah. 25Wer aber in das vollkommene Gesetz der Freiheit hineinschaut und darin bleibt — kein vergesslicher Hörer, sondern ein Täter, der handelt —, der wird selig sein in seinem Tun.
26Wenn jemand meint, fromm zu sein, und seine Zunge nicht im Zaum hält, sondern sein eigenes Herz betrügt, dessen Frömmigkeit ist wertlos. 27Eine reine und unbefleckte Frömmigkeit vor unserem Vater ist die: sich der Waisen und Witwen in ihrer Not anzunehmen und sich selbst von der Welt unbefleckt zu bewahren.