Jerusalems Blutschuld aufgedeckt
Eine Anklageschrift gegen Jerusalem: Fürsten, die Blut vergießen, verachtete Eltern, ausgepresste Fremde, Priester, die Heiliges und Gemeines verwischen, Propheten, die alles übertünchen. Unser Vater sagt, er habe einen Einzigen gesucht, der für das Land in die Bresche tritt, und keinen gefunden.
22 1Das Wort unseres Vaters geschah zu mir:
2Du aber, Menschenkind, willst du richten? Willst du die Stadt der Blutschuld richten? Dann halte ihr alle ihre Gräuel vor. 3Sprich: So spricht der allmächtige Vater: Du Stadt, die in ihrer Mitte Blut vergießt, damit ihre Zeit komme, und die sich Götzen macht und dadurch unrein wird. 4Durch das Blut, das du vergossen hast, bist du schuldig geworden, und durch die Götzen, die du gemacht hast, bist du unrein geworden. Du hast dein Ende herbeigeführt und das Ziel deiner Jahre erreicht. Darum mache ich dich zum Hohn für die Völker und zum Spott für alle Länder. 5Die dir nah und fern sind, werden dich verspotten, du Stadt mit unreinem Namen, voll von Aufruhr.
6Sieh, jeder Fürst Israels in dir gebraucht seine Macht, um Blut zu vergießen. 7In dir verachten sie Vater und Mutter; in dir bedrücken sie den Fremdling; in dir tun sie der Waise und der Witwe Unrecht. 8Du hast meine heiligen Dinge verachtet und meine Sabbate entweiht. 9In dir sind Verleumder, die darauf aus sind, Blut zu vergießen; in dir sind solche, die auf den Bergen an den Höhen essen und Schandtaten in deiner Mitte verüben. 10In dir schläft man bei den Frauen des Vaters; in dir vergeht man sich an der Frau während ihrer monatlichen Unreinheit. 11Der eine treibt Gräuel mit der Frau seines Nächsten; ein anderer macht seine Schwiegertochter in Schande unrein; wieder ein anderer vergeht sich an seiner Schwester, der Tochter seines Vaters. 12In dir nimmt man Bestechung an, um Blut zu vergießen; du nimmst Zins und Aufschlag und erpresst unrechten Gewinn von deinem Nächsten. Mich aber hast du vergessen, spricht der allmächtige Vater.
13Sieh nun, ich schlage meine Hände zusammen über den unredlichen Gewinn, den du gemacht hast, und über das Blut, das in deiner Mitte vergossen worden ist. 14Wird dein Mut bestehen und werden deine Hände stark bleiben in den Tagen, da ich mit dir handeln werde? Ich, dein Vater, habe es gesagt und werde es tun. 15Ich will dich unter die Völker zerstreuen und dich in die Länder versprengen und deine Unreinheit ganz aus dir hinwegtun. 16Wenn du dann vor den Augen der Völker unrein geworden bist, wirst du erkennen, dass ich dein Vater bin.
17Und das Wort unseres Vaters geschah zu mir:
18Menschenkind, das Haus Israel ist mir zu Schlacke geworden; sie alle sind Kupfer, Zinn, Eisen und Blei im Schmelzofen—Schlacke des Silbers geworden. 19Darum spricht der allmächtige Vater: Weil ihr alle zu Schlacke geworden seid, darum will ich euch nach Jerusalem sammeln. 20Wie man Silber, Kupfer, Eisen, Blei und Zinn in einen Schmelzofen sammelt und Feuer darüber anfacht, um es zu schmelzen, so will ich euch in meinem Zorn und Grimm sammeln, euch dort hineinlegen und schmelzen. 21Ich will euch sammeln und das Feuer meines Zorns über euch anfachen, dass ihr darin geschmolzen werdet. 22Wie das Silber im Schmelzofen schmilzt, so werdet ihr darin geschmolzen werden. Dann werdet ihr erkennen, dass ich, euer Vater, meinen Grimm über euch ausgegossen habe.
23Und das Wort unseres Vaters geschah zu mir:
24Menschenkind, sprich zu ihr: Du bist ein Land, das nicht gereinigt ist, das keinen Regen empfangen hat am Tag des Zorns. 25Ihre Propheten haben sich in ihr verschworen, wie ein brüllender Löwe, der Beute reißt; sie verschlingen Menschenleben, reißen Schätze und Kostbarkeiten an sich und machen viele Witwen in ihrer Mitte. 26Ihre Priester vergewaltigen mein Gesetz und entweihen meine heiligen Dinge; sie machen keinen Unterschied zwischen heilig und unheilig und lehren nicht den Unterschied zwischen unrein und rein und verschließen ihre Augen vor meinen Sabbaten, sodass ich unter ihnen entweiht werde. 27Ihre Obersten sind wie Wölfe, die Beute reißen, Blut vergießen und Menschenleben verderben, um unrechten Gewinn zu machen. 28Und ihre Propheten übertünchen es ihnen mit falschen Visionen und lügenhafter Wahrsagerei und sprechen: „So spricht Gott“, obwohl unser Vater nicht geredet hat. 29Das Volk des Landes übt Erpressung und Raub; sie bedrücken den Armen und Bedürftigen und versagen dem Fremdling das Recht.
30Ich suchte unter ihnen einen, der die Mauer aufbauen und in die Bresche vor mir treten könnte für das Land, damit ich es nicht verderbe—aber ich fand keinen. 31Darum goss ich meinen Zorn über sie aus und vernichtete sie mit dem Feuer meines Grimms. Ihren Wandel ließ ich auf ihren eigenen Kopf kommen, spricht der allmächtige Vater.