Ein Klagelied über das gefallene Israel
Über eine Nation, die noch steht, wird ein Trauerlied gesungen. Der Ausweg wird wiederholt: Sucht mich und lebt, sucht das Gute, richtet im Tor das Recht auf. Ihre Feste und Lieder will unser Vater nicht hören; was er will, ist Recht, das herabfließt wie Wasser.
5 1Hört dieses Wort, das ich als Klagelied über euch anhebe, Haus Israel: 2Gefallen ist sie und steht nie wieder auf, die Jungfrau Israel; verlassen liegt sie auf ihrem eigenen Land, und niemand richtet sie wieder auf.
3Denn so spricht der Herr, unser Vater: Die Stadt, die mit tausend auszieht, wird hundert übrig behalten; und die mit hundert auszieht, wird zehn übrig behalten—für das Haus Israel.
4Denn so spricht unser Vater zum Haus Israel: Sucht mich, so werdet ihr leben. 5Aber sucht nicht Bethel, geht nicht nach Gilgal, und zieht nicht hinüber nach Beerscheba; denn Gilgal wird gewiss in die Verbannung gehen, und Bethel wird zunichtewerden. a a v5 Der Name Gilgal selbst klingt wie „in die Verbannung weggewälzt“ — das Heiligtum, auf das das Volk vertraute, wird zum Wort für ihre eigene Gefangenschaft.
6Sucht unseren Vater, so werdet ihr leben, sonst wird er wie Feuer durch das Haus Josef fahren; es wird verzehren, und niemand löscht es für Bethel. 7Ihr, die ihr das Recht in bitteres Gift verwandelt und die Gerechtigkeit zu Boden werft. 8Er, der das Siebengestirn und den Orion gemacht hat, der die tiefe Finsternis zum Morgen macht und den Tag zur Nacht verdunkelt, der die Wasser des Meeres herbeiruft und sie ausgießt über die Fläche der Erde—unser Vater ist sein Name. 9Er lässt Verwüstung aufblitzen über den Starken, und Verderben kommt über die Festung. 10Sie hassen den, der im Tor zurechtweist, und sie verabscheuen den, der die Wahrheit redet. b b v10 Das „Tor“ war der Stadteingang, wo Rechtsfälle verhandelt und Recht gesprochen wurde — das antike Gegenstück zu einem Gerichtsgebäude. 11Darum, weil ihr den Armen zertretet und von ihm eine Abgabe an Getreide fordert, habt ihr Häuser aus behauenen Steinen gebaut, doch ihr werdet nicht darin wohnen; ihr habt herrliche Weinberge gepflanzt, doch ihr werdet ihren Wein nicht trinken. 12Denn ich weiß, wie zahlreich eure Vergehen sind und wie groß eure Sünden—ihr, die ihr den Gerechten bedrängt und Bestechung annehmt und die Bedürftigen im Tor zur Seite stoßt. 13Darum schweigt der Kluge in solcher Zeit, denn es ist eine böse Zeit. 14Sucht das Gute und nicht das Böse, damit ihr lebt; und so wird der Vater der himmlischen Heere mit euch sein, wie ihr es behauptet habt. 15Hasst das Böse und liebt das Gute, und richtet das Recht im Tor auf; vielleicht wird der Vater der himmlischen Heere dem Rest Josefs gnädig sein.
16So spricht der Vater der himmlischen Heere: Auf allen Plätzen Wehklage; auf allen Gassen ruft man: „Wehe! Wehe!“ Man ruft den Bauern zur Trauer und die des Klagelieds Kundigen zum Wehklagen. 17In allen Weinbergen wird Wehklage sein, denn ich werde mitten durch euch hindurchgehen, spricht unser Vater.
Der Tag unseres Vaters ist Finsternis
18Wehe euch, die ihr den Tag unseres Vaters herbeisehnt! Wozu wollt ihr den Tag unseres Vaters? Er ist Finsternis und nicht Licht. 19Es wird sein, wie wenn ein Mann vor einem Löwen flieht und einem Bären begegnet, oder in sein Haus geht und seine Hand an die Wand stützt und ihn eine Schlange beißt. 20Ist nicht der Tag unseres Vaters Finsternis und nicht Licht—stockdunkel, und kein Glanz ist darin?
21Ich hasse, ich verabscheue eure Feste; an euren Festversammlungen habe ich kein Gefallen. 22Auch wenn ihr mir Brandopfer darbringt und eure Speisopfer, so nehme ich sie nicht an; und die Dankopfer eurer Masttiere mag ich nicht ansehen. 23Tu weg von mir das Lärmen deiner Lieder; das Spiel deiner Harfen will ich nicht hören. 24Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach. 25Habt ihr mir Schlachtopfer und Gaben dargebracht in jenen vierzig Jahren in der Wüste, Haus Israel? 26Ihr habt Sikkut, euren König, emporgetragen und Kijjun, euren Sternengott, die Bilder, die ihr euch gemacht habt. c c v26 Sikkut und Kijjun waren assyrische und babylonische Sternengötter; das Volk hatte diese Götzen heimlich mit sich getragen, während es zugleich behauptete, den wahren Gott anzubeten. 27Darum werde ich euch in die Verbannung führen jenseits von Damaskus, spricht unser Vater—der Vater der himmlischen Heere ist sein Name.