Ich habe dich nie weggeschickt
Unser Vater fragt, wo der Scheidebrief sei, und besteht darauf, dass er sein Volk nie weggeschickt hat. Dann spricht der Knecht: Ihm ist eine gelehrte Zunge für die Müden gegeben; er nimmt die Schläge hin, das Ausreißen des Bartes, das Anspucken, ohne sein Gesicht zu verbergen, gewiss, dass der, der ihm Recht verschafft, nahe steht.
50 1So spricht unser Vater: „Wo ist der Scheidebrief deiner Mutter, mit dem ich sie weggeschickt hätte? Oder an welchen meiner Gläubiger habe ich euch verkauft? Seht, um eurer Sünden willen wurdet ihr verkauft, und um eurer Vergehen willen wurde eure Mutter weggeschickt. 2Warum war niemand da, als ich kam? Als ich rief, war niemand da, der antwortete? Ist meine Hand zu kurz, um zu erlösen? Oder habe ich keine Kraft zu erretten? Seht, durch mein Schelten trockne ich das Meer aus, ich mache die Ströme zur Wüste; ihre Fische stinken, weil kein Wasser da ist, und sie sterben vor Durst. 3Ich kleide den Himmel in Schwärze und bedecke ihn mit schwarzem Tuch.“
4Mein Herr und Vater hat mir die Zunge eines Jüngers gegeben, damit ich weiß, wie ich dem Müden ein aufrichtendes Wort sagen kann. Morgen für Morgen weckt er mich, er weckt mir das Ohr, dass ich höre wie ein Jünger. a a v4 Jesajas drittes Lied vom Gottesknecht — Jesus spricht als der gehorsame Sohn, der Morgen für Morgen von seinem Vater lernt. Die Passionsberichte lassen diese Szene am Kreuz anklingen. 5Mein Herr und Vater hat mir das Ohr geöffnet, und ich war nicht widerspenstig; ich wich nicht zurück. 6Ich hielt meinen Rücken denen hin, die mich schlugen, und meine Wangen denen, die mir den Bart ausrauften; ich verbarg mein Gesicht nicht vor Schmach und Speichel. 7Aber mein Herr und Vater hilft mir; darum bin ich nicht zuschanden geworden; darum habe ich mein Gesicht wie einen Kieselstein gemacht, und ich weiß, dass ich nicht beschämt werde. 8Der mir Recht schafft, ist nahe. Wer will mit mir streiten? Lasst uns zusammen hintreten. Wer ist mein Widersacher? Er trete zu mir her. 9Siehe, mein Herr und Vater hilft mir; wer will mich schuldig sprechen? Seht, sie alle werden zerfallen wie ein Kleid; die Motte wird sie fressen.
10Wer unter euch fürchtet unseren Vater und gehorcht der Stimme seines Knechtes? Wer im Finstern geht und kein Licht hat, der vertraue auf seinen Namen und stütze sich auf seinen Vater. 11Seht, ihr alle, die ihr ein Feuer entzündet, die ihr euch mit Fackeln rüstet: Geht hin im Licht eures Feuers und unter den Fackeln, die ihr angezündet habt! Das ist es, was ihr aus meiner Hand empfangen werdet: In Qual werdet ihr euch niederlegen.