Steh auf, meine Freundin, und komm mit mir
2 1Ich bin eine Rose von Scharon, eine Lilie in den Tälern. 2Wie eine Lilie unter den Dornen, so ist meine Freundin unter den jungen Frauen. 3Wie ein Apfelbaum unter den Bäumen des Waldes, so ist mein Geliebter unter den jungen Männern. Mit großer Freude saß ich in seinem Schatten, und seine Frucht war süß für meinen Gaumen. 4Er führte mich in den Festsaal, und sein Banner über mir war die Liebe. 5Stärkt mich mit Rosinen, erquickt mich mit Äpfeln, denn ich bin krank vor Liebe. 6Seine Linke liegt unter meinem Haupt, und seine Rechte umarmt mich. 7Ich beschwöre euch, ihr Töchter Jerusalems, bei den Gazellen oder den Hirschkühen des Feldes: Weckt die Liebe nicht auf und stört sie nicht, bis es ihr selbst gefällt.
8Die Stimme meines Geliebten! Er kommt und springt über die Berge, hüpft über die Hügel. 9Mein Geliebter gleicht einer Gazelle oder einem jungen Hirsch. Sieh, da steht er hinter unserer Mauer, blickt durch die Fenster, schaut durch das Gitter. 10Mein Geliebter spricht zu mir: Steh auf, meine Freundin, meine Schöne, und komm mit mir, 11denn sieh, der Winter ist vergangen; der Regen ist vorüber und dahin. 12Die Blumen sind hervorgekommen im Land, die Zeit des Singens ist gekommen, und die Stimme der Turteltaube lässt sich hören in unserem Land. 13Der Feigenbaum lässt seine Feigen reifen, und die Weinstöcke stehen in Blüte; sie geben ihren Duft. Steh auf, meine Freundin, meine Schöne, und komm mit mir. 14Meine Taube in den Felsklüften, in den Verstecken der Steilwand, lass mich dein Angesicht sehen, lass mich deine Stimme hören, denn deine Stimme ist süß, und dein Angesicht ist lieblich. 15Fangt uns die Füchse, die kleinen Füchse, die die Weinberge verderben, denn unsere Weinberge stehen in Blüte. 16Mein Geliebter ist mein, und ich bin sein; er weidet unter den Lilien. 17Bis der Tag Atem holt und die Schatten fliehen, wende dich um, mein Geliebter, und sei wie eine Gazelle oder wie ein junger Hirsch auf den zerklüfteten Bergen.