Zieh mich dir nach
1 1Das Hohelied Salomos. a a v1 Das Hohelied ist eine poetische Feier der ehelichen Liebe zwischen Braut und Bräutigam. Die christliche Überlieferung hat darin seit jeher auch die Liebe unseres Vaters zu seinem Volk durch Jesus vernommen — den Bräutigam, der sich selbst für seine Braut hingibt. 2Er küsse mich mit den Küssen seines Mundes — denn deine Liebe ist köstlicher als Wein. 3Deine Salböle duften; dein Name ist ausgegossenes Salböl — kein Wunder, dass die jungen Frauen dich lieben. 4Zieh mich dir nach; lass uns eilen. Der König hat mich in seine Gemächer geführt. Wir wollen jubeln und uns freuen über dich; wir wollen deine Liebe rühmen mehr als den Wein — mit Recht lieben sie dich.
5Ich bin dunkel, doch lieblich, ihr Töchter Jerusalems, wie die Zelte Kedars, wie die Teppiche Salomos. b b v5 Kedar war ein Wüstenvolk, dessen Zelte aus schwarzem Ziegenhaar gewoben waren — die Braut vergleicht ihre dunkle, von der Sonne gegerbte Haut mit deren schönen schwarzen Zelten. 6Seht mich nicht an, weil ich dunkel bin, weil die Sonne mich verbrannt hat. Die Söhne meiner Mutter zürnten mir; sie machten mich zur Hüterin der Weinberge, doch meinen eigenen Weinberg habe ich nicht gehütet. 7Sag mir, du, den meine Seele liebt, wo du deine Herde weidest, wo du sie lagern lässt am Mittag — warum sollte ich sein wie eine verschleierte Frau bei den Herden deiner Gefährten? c c v7 Eine Frau, die verschleiert und allein bei der Herde eines Fremden umherzieht, würde für eine unbegleitete Fremde gehalten — das Letzte, wonach eine Braut aussehen möchte.
8Weißt du es nicht, du Schönste unter den Frauen, so folge den Spuren der Herde und weide deine jungen Ziegen bei den Zelten der Hirten. 9Ich vergleiche dich, meine Freundin, mit einer Stute an den Wagen des Pharao. 10Deine Wangen sind lieblich im Schmuck, dein Hals in Ketten von Edelsteinen.
11Wir wollen dir Schmuck aus Gold machen, besetzt mit Silber. 12Als der König an seiner Tafel war, verbreitete meine Narde ihren Duft. d d v12 Narde war ein kostbares, süß duftendes Öl, das aus fernen Ländern eingeführt wurde — dasselbe kostbare Salböl, das später über Jesus vor seinem Begräbnis ausgegossen wurde. 13Mein Geliebter ist mir ein Beutel Myrrhe, der zwischen meinen Brüsten ruht. 14Mein Geliebter ist mir eine Traube von Hennablüten in den Weinbergen von En-Gedi. e e v14 En-Gedi war eine Süßwasseroase am Toten Meer, berühmt für ihre üppigen, duftenden Gärten inmitten öder Wüste.
15Wie schön du bist, meine Freundin — wie schön! Deine Augen sind Tauben. 16Wie schön du bist, mein Geliebter — wahrhaft lieblich! Unser Lager ist grün.
17Die Balken unseres Hauses sind Zedern; unsere Sparren sind Zypressen.