Leviatan, König über alle Stolzen
41 1„Kannst du den Leviatan mit der Angel herausziehen oder seine Zunge mit einer Schnur niederdrücken? a a v1 Der Leviatan ist das große, unbändige Meeresungeheuer — ein Bild für eine Macht, die kein Mensch bezwingen kann, die unser Vater jedoch mit Leichtigkeit hält. 2Kannst du ihm einen Strick durch die Nase ziehen, oder seinen Kinnbacken mit einem Haken durchbohren? 3Wird er dich viel anflehen? Wird er sanfte Worte zu dir reden? 4Wird er einen Bund schließen mit dir, dass du ihn für immer zu deinem Knecht nimmst? 5Wirst du mit ihm spielen wie mit einem Vogel, oder ihn für deine Mädchen an die Leine legen? 6Werden die Händler um ihn feilschen? Werden sie ihn unter den Kaufleuten aufteilen? 7Kannst du seine Haut mit Harpunen spicken, oder seinen Kopf mit Fischspeeren? 8Leg deine Hand an ihn; denk an den Kampf — du wirst es nicht wieder tun. 9Jede Hoffnung, ihn zu bezwingen, ist trügerisch; schon sein Anblick wirft dich nieder. 10Niemand ist so verwegen, dass er ihn aufreizt. Wer kann dann vor mir bestehen? 11Wer ist mir entgegengetreten, dass ich es ihm vergelten müsste? Alles unter dem ganzen Himmel ist mein. b b v11 Paulus greift diesen Vers auf — niemand hat unserem Vater je etwas gegeben, sodass dieser es ihm schuldig wäre; alles gehört ihm bereits (Römer 11,35).
12„Ich will nicht schweigen von seinen Gliedern, von seiner gewaltigen Kraft und seinem anmutigen Bau. 13Wer kann ihm sein äußeres Gewand abstreifen oder mit einem doppelten Zaum an ihn herankommen? 14Wer kann die Türen seines Angesichts öffnen? Seine Zähne ringsum sind von Schrecken umgeben. 15Sein Rücken ist aus Reihen von Schilden, fest verschlossen wie mit einem Siegel. 16Einer ist dem anderen so nah, dass keine Luft zwischen ihnen hindurchdringt. 17Sie hängen einer am anderen; sie umklammern sich und lassen sich nicht trennen. 18Sein Niesen blitzt von Licht, und seine Augen sind wie die Wimpern der Morgenröte. c c v18 „Wimpern der Morgenröte“ ist ein hebräisches Bild für das rötliche Schimmern des ersten Lichts — seine Augen glühen rot wie ein feuriger Sonnenaufgang. 19Aus seinem Maul fahren brennende Fackeln; Feuerfunken sprühen heraus. 20Aus seinen Nüstern steigt Rauch wie aus einem siedenden Topf über brennendem Schilf. 21Sein Atem entzündet Kohlen, und eine Flamme schlägt aus seinem Maul. 22In seinem Nacken wohnt Stärke, und vor ihm her tanzt der Schrecken. 23Die Wampen seines Fleisches haften aneinander, fest an ihm gegossen und unbeweglich. 24Sein Herz ist hart wie Stein, hart wie der untere Mühlstein. 25Wenn er sich erhebt, fürchten sich die Starken; vor dem Krachen geraten sie außer sich. 26Trifft ihn auch ein Schwert, so hält es nicht stand, noch der Speer, der Wurfpfeil oder die Lanze. 27Eisen achtet er für Stroh, und Bronze für morsches Holz. 28Der Pfeil kann ihn nicht verjagen; Schleudersteine werden ihm zu Stoppeln. 29Keulen gelten ihm wie Stoppeln; er lacht über das Sausen der Lanze. 30Sein Unterleib ist wie scharfe Tonscherben; er breitet sich aus wie ein Dreschschlitten über dem Schlamm. d d v30 Ein Dreschschlitten war ein Brett, besetzt mit scharfen Steinen, das über das Getreide gezogen wurde — der Bauch des Leviatan hinterlässt dieselbe aufgewühlte Spur. 31Er bringt die Tiefe zum Sieden wie einen Topf; er rührt das Meer auf wie einen brodelnden Kessel voll Salböl. 32Hinter ihm her leuchtet eine Spur; man meinte, die Tiefe hätte weißes Haar bekommen. 33Auf Erden ist nichts ihm gleich, ein Geschöpf, das ohne Furcht geschaffen ist. 34Er blickt auf alles Hohe herab; er ist König über alle Stolzen.“