Hiob verflucht den Tag seiner Geburt
3 1Danach tat Hiob seinen Mund auf und verfluchte den Tag seiner Geburt. 2Und Hiob sprach: 3„Ausgelöscht sei der Tag, an dem ich geboren wurde, und die Nacht, die sprach: ‚Ein Knabe ist empfangen.‘ 4Jener Tag—er sei Finsternis! Gott droben frage nicht nach ihm, noch lasse er Licht über ihm scheinen. 5Finsternis und tiefer Schatten sollen ihn ergreifen; eine Wolke lagere sich über ihm; das Dunkel des Tages erschrecke ihn. 6Jene Nacht—dichte Finsternis ergreife sie; sie freue sich nicht unter den Tagen des Jahres, noch werde sie zu den Monaten gezählt. 7Ja, jene Nacht sei unfruchtbar; kein Freudenschrei komme in sie hinein. 8Es sollen sie verfluchen, die Tage verfluchen—die bereit sind, den Leviatan zu wecken. a a v8 In der antiken Welt glaubte man, dass berufsmäßige Verflucher Macht über glückliche und unglückliche Tage hätten. 9Die Sterne ihrer Morgendämmerung sollen finster sein; sie hoffe auf Licht und finde keines und schaue nie die ersten Strahlen des Morgens, 10weil sie die Türen des Leibes meiner Mutter nicht verschloss, noch das Unheil vor meinen Augen verbarg. 11Warum starb ich nicht bei der Geburt, kam aus dem Mutterleib und verschied? 12Warum gab es Knie, die mich empfingen, oder Brüste, dass ich saugen konnte? b b v12 Im Alten Orient war das Legen eines Neugeborenen auf die Knie eines Verwandten ein förmlicher Akt der Annahme des Kindes. 13Denn jetzt läge ich still da; ich würde schlafen und hätte Ruhe, 14mit Königen und Ratsherren der Erde, die sich Trümmerstätten erbauten, 15oder mit Fürsten, die Gold besaßen, die ihre Häuser mit Silber füllten. 16Oder warum wurde ich nicht wie eine verscharrte Fehlgeburt, wie Kinder, die das Licht nie sahen? 17Dort hören die Gottlosen auf zu toben, und dort ruhen die Erschöpften. 18Miteinander haben es die Gefangenen gut; sie hören nicht mehr die Stimme des Treibers. 19Klein und Groß sind dort gleich, und der Sklave ist frei von seinem Herrn. 20Warum wird dem Elenden das Licht gegeben und das Leben denen, die verbitterten Herzens sind, 21die sich nach dem Tod sehnen, der nicht kommt, und nach ihm graben mehr als nach verborgenen Schätzen, 22die vor Freude jauchzen und froh sind, wenn sie das Grab finden? 23Warum wird das Licht dem Mann gegeben, dessen Weg verborgen ist, den Gott ringsum eingeschlossen hat? 24Denn mein Seufzen kommt vor meinem Brot, und mein Stöhnen ergießt sich wie Wasser. 25Denn wovor mir graute, das ist über mich gekommen, und was ich fürchtete, hat mich ereilt. 26Ich habe keine Ruhe, keine Stille, keine Rast—nur Aufruhr.“