„Willst du zu mir zurückkehren?“
Israel und Juda erscheinen als zwei untreue Schwestern, und Juda ist die schlimmere von beiden, weil sie zusah und nichts lernte. Dennoch ruft unser Vater die Treulosen nach Hause und verlangt nur, dass sie die Wahrheit zugeben; und er verspricht Hirten, die sie wirklich weiden.
3 1Man sagt: Wenn ein Mann sich von seiner Frau scheidet und sie ihn verlässt und einen anderen Mann heiratet, wird er dann wieder zu ihr zurückkehren? Würde nicht jenes Land völlig entweiht? Du hast mit vielen Liebhabern Hurerei getrieben—und dennoch willst du zu mir zurückkehren? spricht dein Vater.
2Erhebe deine Augen zu den kahlen Höhen und sieh: Wo bist du nicht geschändet worden? An den Wegen saßest du und wartetest auf Liebhaber, wie ein Nomade in der Wüste. Du hast das Land entweiht mit deiner Hurerei und deiner Bosheit. 3Darum sind die Regenschauer zurückgehalten worden, und der Frühlingsregen ist ausgeblieben. Doch du hast die freche Stirn einer Hure; du weigerst dich, dich zu schämen. 4Hast du nicht eben erst zu mir gerufen: ‚Mein Vater, du bist der Freund meiner Jugend‘? 5„Wird er ewig zornig bleiben? Wird er seinen Grimm bis zum Ende bewahren?“ So redest du, aber du tust alles Böse, das du kannst.
Zwei Schwestern, die ihren Vater vergaßen
6Unser Vater sprach zu mir in den Tagen des Königs Josia: „Hast du gesehen, was das abtrünnige Israel getan hat? Sie stieg auf jeden hohen Hügel und unter jeden grünen Baum und trieb dort Hurerei. 7Ich dachte: Nachdem sie all dies getan hat, wird sie zu mir zurückkehren, aber sie tat es nicht, und ihre treulose Schwester Juda sah es. 8Sie sah, dass ich das abtrünnige Israel um all ihrer Ehebrüche willen fortgeschickt und ihr einen Scheidebrief gegeben hatte. Doch ihre treulose Schwester Juda fürchtete sich nicht; auch sie ging hin und trieb Hurerei. 9Weil ihr ihre Hurerei so wenig bedeutete, verunreinigte sie das Land und trieb Ehebruch mit Steinen und Bäumen. 10Trotz alledem kehrte ihre treulose Schwester Juda nicht von ganzem Herzen zu mir zurück, sondern nur zum Schein, spricht dein Vater.“
11Unser Vater sprach zu mir: Das abtrünnige Israel hat sich gerechter erwiesen als das treulose Juda.
12Geh und rufe nach Norden: Kehre zurück, abtrünniges Israel, spricht dein Vater. Ich will euch nicht zornig ansehen, denn ich bin barmherzig, spricht dein Vater; ich will nicht ewig zornig bleiben. 13Erkenne nur deine Schuld—dass du dich gegen deinen Vater aufgelehnt und deine Gunst an Fremde verschwendet hast unter jedem grünen Baum und meiner Stimme nicht gehorcht hast, spricht dein Vater. 14Kehrt zurück, ihr abtrünnigen Kinder, spricht dein Vater, denn ich bin euer Ehemann. Ich will euch nehmen—einen aus einer Stadt und zwei aus einer Sippe—und euch nach Zion bringen. 15Dann will ich euch Hirten nach meinem Herzen geben, die euch weiden mit Erkenntnis und Einsicht.
16Wenn ihr euch mehrt und zahlreich werdet im Land, in jenen Tagen, spricht dein Vater, wird niemand mehr sagen: ‚Die Lade des Bundes unseres Vaters.‘ Man wird nicht mehr daran denken, sich ihrer nicht erinnern, sie nicht vermissen, noch wird eine andere gemacht werden.
17„Dann wird man Jerusalem den Thron unseres Vaters nennen, und alle Völker werden sich dort versammeln, um den Namen unseres Vaters zu ehren. Sie werden nicht mehr ihrem verstockten, bösen Herzen folgen. 18In jenen Tagen wird das Haus Juda sich zum Haus Israel gesellen, und gemeinsam werden sie aus dem Land des Nordens kommen in das Land, das ich euren Vätern zum Erbe gegeben habe. 19Ich selbst sprach: ‚Wie gern würde ich dich unter meine Kinder setzen und dir ein liebliches Land geben, das schönste Erbe unter allen Völkern!‘ Und ich dachte, du würdest mich ‚Mein Vater‘ nennen und dich nie davon abwenden, mir zu folgen. 20Aber wie eine Frau ihrem Mann untreu wird, so seid ihr mir untreu geworden, Haus Israel, spricht dein Vater.
21Eine Stimme wird auf den kahlen Höhen gehört—das Weinen und Flehen der Kinder Israels—weil sie ihren Weg verkehrt und ihren Vater vergessen haben.
22„Kehrt zurück, ihr abtrünnigen Kinder; ich will eure Abtrünnigkeit heilen.“ „Hier sind wir, wir kommen zu dir, denn du bist unser Vater. 23Wahrlich, der Lärm auf den Hügeln und Bergen ist Trug; wahrlich, bei unserem Vater ist das Heil Israels. 24Von unserer Jugend an hat jenes schändliche Ding den Ertrag der Arbeit unserer Väter verzehrt—ihre Schafe und Rinder, ihre Söhne und Töchter. 25Lasst uns in unserer Schande niederliegen, und unsere Schmach bedecke uns. Denn wir haben gegen unseren Vater gesündigt—wir und unsere Väter—von unserer Jugend an bis zu diesem Tag, und wir haben der Stimme unseres Vaters nicht gehorcht.“