Reiß den Himmel auf
Dies ist ein Gebet, unser Vater möge den Himmel aufreißen und herabkommen. Es verteidigt das Volk nicht, nennt seine besten Taten ein schmutziges Kleid und gibt zu, dass niemand nach ihm greift. Der Tempel ist verbrannt. Es endet mit einer unbeantworteten Frage.
64 1Ach, dass du den Himmel aufrissest und herabkämst, dass die Berge vor deiner Gegenwart erbebten, 2wie Feuer Reisig entzündet und Wasser zum Sieden bringt — um deinen Namen deinen Widersachern bekannt zu machen, sodass die Völker vor deiner Gegenwart zittern! 3Als du furchtgebietende Dinge tatest, die wir nicht erwarteten, kamst du herab, und die Berge erbebten vor deiner Gegenwart. 4Seit alters her hat niemand gehört noch mit dem Ohr vernommen, kein Auge hat einen anderen gesehen außer dir, der für den handelt, der auf ihn wartet. 5Du kommst denen entgegen, die mit Freuden tun, was recht ist, die an dich denken, während sie auf deinen Wegen gehen. Doch du zürntest, und wir sündigten; lange schon sind wir in unseren Sünden — können wir gerettet werden? 6Wir sind alle geworden wie einer, der unrein ist, und alle unsere gerechten Taten sind wie ein beflecktes Kleid. Wir alle welken dahin wie ein Blatt, und unsere Sünden tragen uns fort wie der Wind. 7Da ist niemand, der deinen Namen anruft, der sich aufrafft, dich zu ergreifen; denn du hast dein Angesicht vor uns verborgen und uns unseren Sünden preisgegeben.
8Nun aber, du bist unser Vater; wir sind der Ton, und du bist unser Töpfer; wir alle sind das Werk deiner Hand. 9Zürne nicht allzu sehr, unser Vater, und gedenke nicht ewig unserer Sünde. Sieh doch her — wir alle sind dein Volk. 10Deine heiligen Städte sind zur Wüste geworden; Zion ist zur Wüste geworden, Jerusalem zur Einöde. 11Unser heiliges und herrliches Haus, in dem unsere Väter dich priesen, ist mit Feuer verbrannt, und alles, was uns teuer war, ist zur Ruine geworden. 12Willst du dich nach alledem zurückhalten, unser Vater? Willst du schweigen und uns so schwer bedrücken?