Das Gebet Habakuks
Habakuk betet zurück, was er gehört hat, und sieht unseren Vater von Teman her ausziehen, Berge und Völker erschütternd, um sein Volk zu retten. Die Vision lässt ihn bis ins Mark zittern — und doch wählt er die Freude am Vater seines Heils, auch wenn jede Ernte und jede Herde ausbleibt.
3 1Ein Gebet des Propheten Habakuk, nach Schigjonot. a a v1 Schigjonot: wahrscheinlich ein leidenschaftlicher, frei fließender Musikstil; dieses Gebet wurde zum Singen geschrieben. 2Unser Vater, ich habe die Kunde von dir vernommen, und ich stehe in Ehrfurcht. Unser Vater, belebe dein Werk in unserer Zeit; in unserer Zeit mach es bekannt; im Zorn gedenke des Erbarmens. b b v2 Habakuk bittet unseren Vater, sich seines Herzens des Erbarmens zu erinnern — der tiefen Liebe, die ein Elternteil für ein Kind empfindet. Unter jedem Ruf um Erbarmen liegt der Ruf, dass das Herz unseres Vaters sich uns zuwende. 3Unser Vater kam von Teman, der Heilige vom Berge Paran. Seine Pracht bedeckte die Himmel, und die Erde war voll seines Lobes. 4Sein Glanz war wie das Licht; Strahlen blitzten aus seiner Hand; und dort lag seine Macht verborgen. 5Vor ihm her ging die Pest, und die Seuche folgte zu seinen Füßen. 6Er stand und erschütterte die Erde; er schaute und ließ die Völker erzittern. Die ewigen Berge zerbarsten; die uralten Hügel sanken nieder. Seine Wege sind uralt. 7Ich sah die Zelte Kuschans in Not; die Zeltdecken des Landes Midian zitterten. 8Entbrannte dein Zorn gegen die Ströme, unser Vater? War dein Zorn gegen die Ströme gerichtet, oder dein Grimm gegen das Meer, als du auf deinen Rossen rittest, auf deinen Wagen des Heils? 9Du entblößtest deinen Bogen; du riefst nach vielen Pfeilen. Du spaltetest die Erde mit Strömen. 10Die Berge sahen dich und bebten; die tobenden Wasser fluteten vorüber; die Tiefe erhob ihre Stimme und hob ihre Hände hoch empor. 11Sonne und Mond standen still an ihrem hohen Ort, beim Licht deiner dahinfliegenden Pfeile, beim Blitzen deines glänzenden Speeres. 12Im Grimm schrittest du über die Erde; im Zorn zerdroschst du die Völker. 13Du zogst aus zum Heil deines Volkes, zum Heil deines Gesalbten. Du zerschmettertest das Haupt vom Hause des Gottlosen und entblößtest ihn von Kopf bis Fuß. 14Mit seinen eigenen Pfeilen durchbohrtest du das Haupt seiner Krieger, die hervorstürmten, um mich zu zerstreuen, frohlockend, als wollten sie den Armen im Verborgenen verschlingen. 15Du zertratst das Meer mit deinen Rossen, das Branden gewaltiger Wasser. 16Ich hörte es, und mein Leib erbebte; meine Lippen zitterten beim Klang; Fäulnis kroch in meine Gebeine, und meine Beine wankten unter mir. Doch ich will still warten auf den Tag der Not, der über das Volk kommen wird, das uns überfällt.
17Wenn auch der Feigenbaum nicht blüht und kein Ertrag an den Reben ist; wenn die Ernte der Ölbäume ausbleibt und die Felder keine Nahrung bringen; wenn keine Herde im Pferch ist und kein Vieh in den Ställen, 18so will ich doch in unserem Vater jubeln; ich will mich freuen über den Vater meines Heils. 19Der Vater, der Herr, ist meine Kraft; er macht meine Füße gleich denen der Hirsche; er lässt mich auf den Höhen einherschreiten. Dem Chorleiter: mit meinem Saitenspiel. c c v19 „Dem Chorleiter: mit meinem Saitenspiel“ ist eine Vortragsanweisung, die zeigt, dass dieses Gebet für den Tempelchor verfasst wurde.