Der Prediger spricht
1 1Die Worte des Predigers, des Sohnes Davids, des Königs in Jerusalem. a a v1 Der Prediger ist das Vermächtnis Kohelets — »des Predigers« oder »dessen, der eine Versammlung einberuft«. Im ganzen Buch spricht Kohelet von Gott im Register einer fernen Gottheit und greift nie nach dem beziehungsvollen Namen »Vater«. Das Buch bewahrt die ehrliche Erschöpfung eines Lebens »unter der Sonne« — ohne die offenbarte Nähe unseres Vaters. Jesus kommt, um den Vater nahezubringen (Johannes 14,9). 2»Ganz und gar vergänglich«, spricht der Prediger, »ganz und gar vergänglich! Alles ist vergänglich.«
3Was für einen Gewinn hat der Mensch von all seiner Mühe, mit der er sich abmüht unter der Sonne? 4Ein Geschlecht vergeht, und ein Geschlecht kommt, die Erde aber bleibt ewiglich. 5Die Sonne geht auf und die Sonne geht unter und eilt zurück an den Ort, wo sie wieder aufgeht. 6Der Wind weht nach Süden und wendet sich nach Norden; rundum, immer rundum geht er und kehrt auf seinen Kreisläufen stets wieder zurück. 7Alle Ströme laufen ins Meer, und das Meer wird doch nicht voller; an den Ort, von dem sie kommen, kehren die Ströme zurück und fließen aufs Neue. 8Alle Dinge sind so voller Mühe, dass es niemand aussprechen kann; das Auge wird nicht satt am Sehen, und das Ohr wird nicht voll vom Hören. 9Was gewesen ist, das wird wieder sein, und was getan wurde, das wird wieder getan werden; es gibt nichts Neues unter der Sonne. 10Gibt es etwas, wovon man sagen könnte: »Sieh, das ist neu«? Es ist längst schon dagewesen, in den Zeiten, die vor uns waren. 11Es gibt kein Gedenken an die, die zuvor gewesen sind, und auch an die, die noch kommen werden, wird sich niemand erinnern bei denen, die nach ihnen folgen.
Salomos Suche
12Ich, der Prediger, war König über Israel in Jerusalem. 13Und ich richtete mein Herz darauf, mit Weisheit zu suchen und zu erforschen alles, was getan wird unter dem Himmel — eine leidvolle Mühe, die Gott den Menschenkindern gegeben hat, sich damit zu plagen. 14Ich sah alle Werke an, die getan werden unter der Sonne, und siehe — es ist alles vergänglich und ein Haschen nach Wind. 15Was krumm ist, kann nicht gerade werden, und was fehlt, kann man nicht zählen. 16Ich sprach zu mir selbst: »Sieh, ich bin groß geworden und habe mehr Weisheit gewonnen als alle, die vor mir über Jerusalem geherrscht haben; und mein Herz hat viel Weisheit und Erkenntnis geschaut.« 17Und ich richtete mein Herz darauf, Weisheit zu erkennen und Unsinn und Torheit; doch ich erkannte: Auch das ist ein Haschen nach dem Wind. 18Denn wo viel Weisheit ist, da ist viel Grämen, und wer die Erkenntnis mehrt, der mehrt den Kummer.